Welche analoge Mittelformatkamera ist für Sie empfehlenswert?

 

Zurzeit können gebrauchte analoge Mittelformat-Kameras (vor allem die einäugigen Spiegelreflexkameras) bei ebay noch zu Spottpreisen ersteigert werden (oft zu einem Zehntel ihres Neuwertes).
Es ist damit zu rechnen, dass nach Abklingen der Digital-Euphorie diese Kameraspezies wieder eine höhere Wertschätzung erlangt und dementsprechend auch die Gebrauchtpreise kräftig anziehen werden.

Denn das analoge Fotografieren im Mittelformat ist nicht nur ein Erlebnis, ein Hobby bzw. eine Kunstrichtung für sich (Näheres) - es bietet auch hervorstechende qualitative Vorteile (Näheres).

Wenn auch Sie sich für eine hochwertige Mittelformatkamera begeistern können, sollten Sie vielleicht beizeiten in dieses System einsteigen. Doch der Markt ist für den Laien schwer überschaubar. Welche Kamera wäre für Sie besonders geeignet? Hier möchte ich Ihnen eine kleine Einstiegshilfe bieten.

 

1. Die wichtigste Entscheidung: Welches Mittelformat?
6x6: Das typische Mittelformat ist das quadratische sogenannte 6x6-Format. Es war bis zur Jahrtausendwende auch für die meisten Profis das A und O, weil es genügend "Fleisch" bot, also im Nachhinein der optimale Ausschnitt (für die Zeitschrift oder das Prospekt) festgelegt werden konnte. Zudem kann im 6x6-Format der Lichtschachtsucher so herrlich zum Einsatz kommen. Der seit 100 Jahren hergestellte Rollfilm 120 langt für 12 Aufnahmen 6x6.

4,5x6: Das zweitgängigste Format, das besonders von Amateuren und Aktionfotografen geliebt wurde, ist das etwas kleinere Rechteck 4,5 x 6 cm, dass auf einen 120er Rollfilm 15 bzw. 16 Aufnahmen erlaubt.
Der Vorteil dieses Formates: Die Kameras sind etwas kleiner und damit leichter. Das Format entspricht dem üblichen Seitenverhältnis, das auch für Abzüge am besten genutzt werden kann.

6x7: Als drittes Mittelformat wäre das Format 6x7 zu nennen, welches auf einem 120er Rollfilm 10 Bilder liefert. Die 6x7-Kameras kamen (bis auf die Pentax 6x7 und einige handliche Sucherkameras) hauptsächlich im Studio zum Einsatz, weil sie doch einiges größer und schwerer sind. Das 6x7-Format war immer die Domäne der Qualitätsfanatiker.

6x8 bis 6x17: Ein Schattendasein zumindest für den Amateur spielen die noch größeren Formate 6x8 und 6x9 (es gibt sogar exotische Panoramaformate bis 6x17 cm).

Bei der Auswahl des Formate ist es entscheidend, mit welchem Material man später bevorzugt fotografieren will.

 

a) Dias
Für Dias wären 6x6 cm optimal oder aber auch 4,5x 6 cm, falls man das Rechteck bevorzugt. Für das Format 6x7 gibt es kaum noch Projektoren und Diarahmen und wenn doch, wird dieses Großvergnügen sauteuer. Für die Formate 6x8 und 6x9 cm gibt es meines Wissens weder Diarahmen noch Projektoren.

b) Farb-Negativfilm
Farb-Negativfilme wurden schon vor der Digitalära nur selten in privaten Heimlaboren verarbeitet, weil dafür viel Zeit, Wissen und eine teure Laborausrüstung vonnöten waren.
Ich liefere heute meine Rollfilme (4,5x6 und 6x6) cm bei Schlecker ab und bekomme qualitativ hochwertige und günstige Fotos (Preise wie Abzüge vom KB-Film). Vom 6x6-Format bekomme ich verständlicherweise nur quadratische Fotos, also 10x10 oder 13x13 cm. Vom 4,5x6-Format erhalte ich fürs gleiche Geld größere Standardbilder (also 10x15 oder 13x18 cm). Ich weiß leider nicht, ob Schlecker bzw. die Großlabore auch genauso problemlos 6x7 oder 6x8 cm Negative verarbeiten.

c) Schwarzweiß-Negativfilme
Mit Ausnahme des im Colorprozess zu entwickelnden Ilford XP2 (der bei Schlecker zu den gleichen Konditionen wie Farbnegativmaterial entwickelt und vergrößert wird und schwarzbraune Fotos beschert) lassen sich Schwarzweißfilme recht einfach selbst entwickeln und vergrößern.
Wer gute Schwarzweißfotos haben will, ist auf ein eigenes Labor angewiesen (die Großlabore liefern nur recht bescheidene Ergebnisse). Ausgediente SW-Laborausrüstungen werden zurzeit ebenfalls zu symbolischen Preisen verschleudert (ebay, Kleinanzeigenteil der Zeitungen). Selbst Vergrößerungsgeräte bis zum Format 6x6 oder gar 6x7 finden sich recht häufig. Bei noch größeren Formaten wird die Suche nach einem Vergrößerer schwieriger.

Fazit: Beim Format 4,5x6 oder 6x6 cm kann man eigentlich gar nichts falsch machen, bei 6x7, 6x8 und 6x9 cm sollte man sich vorher überlegen, mit welchem Filmmaterial man arbeiten möchte und wie die Weiterverarbeitung gesichert ist. Es sei jedoch erwähnt, dass für 6x7 und 6x8 cm-Kameras auch häufig Wechselmagazine für 6x6 und 4,5x6 cm angeboten werden.

 

2. Welches Kamerasystem?

Grundsätzlich unterscheiden wir im Mittelformat drei Konzepte: die einäugige Spiegelreflex, die zweiäugige Spiegelreflex und die Messsucherkamera. In den 1940er und den 1950er Jahren waren auch noch die einfachen Boxkameras und Sucherkameras weit verbreitet, mit denen aber heute wohl kaum jemand mehr fotografiert.

a) die zweiäugigen Mittelformat-Spiegelreflexkameras:
Sie hatten ihre große Zeit in den 1930er bis in die 1960er Jahre hinein. Rollei machte sich damit seinen großen Namen und stellt auch heute noch drei Modelle her (mit Normal-, Weitwinkel- oder Teleobjektiv). Die Zweiäugigen haben den Vorteil, dass sie relativ leicht sind, extrem leise auslösen (kein Spiegelschlag) und das Sucherbild auch im Moment der Auslösung sichtbar bleibt.
Ihr Nachteil: Der Fotograf sieht nicht durchs Aufnahmeobjektiv (Parallaxenverschiebung), was schlecht ist bei Nahaufnahmen und Verwendung von Pol- oder Verlauffiltern. Nur die schweren zweiäugigen Mamiya-Kameras mit ihrem eingebauten Balgen (C3, 33, 330, 220) boten Wechselobjektive. Die Edelmarke Rollei wird auch heute noch zu sehr hohen Gebrauchtpreisen gehandelt. Eine neue Rolleiflex 2,8 F kostete 1969 DM 1236,-. Im gut erhaltenen Zustand kostet sie heute mindestens die gleiche Summe in Euro.

b) die einäugigen Mittelformat-Spiegelreflexkameras
In den 1960er Jahren wechselten viele Profis von der zweiäugigen Rollei zur einäugigen Hasselblad. Sie bot bei gleicher Qualität viel mehr Möglichkeiten (Wechselmagazine, eine große Auswahl an Objektiven). Das bestechende Baukastenprinzip fand viele Nachahmer und dominiert seither die Mittelformatfotografie in den Formaten 4,5x6, 6x6 und 6x7 cm.
Ein wenig abweichend von diesem Grundprinzip kamen auch Kameras auf dem Markt, die der Kleinbild-Spiegelreflex nachempfunden waren (Praktisix/Exakta 66 und Asahi Pentax 6x7). Diese Kameras fehlten zwar die Wechselmagazine, sie waren aber handlicher und für Aktionfotos besser geeignet.

c) die Mittelformat-Messsucherkameras
Die Domäne der Mittelformat-Messsucherkamera ist die Reise- und Aktionfotografie. Denn diese Kameras sind leichter und handlicher als die einäugigen Mittelformat-Spiegelreflex-Systeme und verfügen über einen sehr hellen und übersichtlichen Durchsichtssucher und Mischbildentfernungsmesser, mit dem die Schärfe von Hand sehr schnell einzustellen ist. Das Angebot an hochwertigen Messsucherkameras war immer recht übersichtlich - Mamiya, Fuji und zuletzt auch Zenza Bronica lieferten ausgereifte Modelle mit Belichtungautomatik (teilweise mit Wechselobjektiven), die auch heute noch sehr hoch gehandelt werden. Leider werden die meisten dieser schönen Kameras nicht mehr gebaut - bis auf die Mamiya 7II (ca. 3800 Euro) und zwei neuentwickelte Voigtländer-Modelle (2000 und 2500 Euro).

 

3. Die Qualität

Die Qualitätsunterschiede bei den professionellen analogen Mittelformatkameras werden meines Erachtens mächtig überschätzt.

Von den russischen, mitteldeutschen und chinesischen Günstigmodellen abgesehen bieten alle namhaften japanischen und westdeutschen Mittelformatkameras der Nachkriegszeit eine annähernd gleiche Qualität, was sowohl die Haltbarkeit, die Verarbeitung und die Abbildungsleistung der Objektive betrifft.

Im Heft 6/1992 der Zeitschrift Color-Foto finden sich Testergebnisse der Objektive für die Hasselblad, die Rollei, die Mamiya, Zenza Bronica, Pentax und Exakta. Das verblüffende Resultat: die Qualitätsunterschiede sind minimal. Alle Objektive erreichten ausgezeichnete Werte zwischen 80 und 85 Punkten (von hundert möglichen). Mal war der eine Hersteller, mal der andere einen Tick besser. Wobei es dann aber auch noch auf die Gewichtung ankommt (Schärfe, Kontrast, Verzeichnung, Vignettierung in der Mitte, an den Ecken, bei offener Blende oder abgeblendet).

Punktergebnis bei den 4,5x6-cm-Kameras, wenn man die Punktzahlen für das Weitwinkel, das Normalobjektiv und das Tele eines Herstellers zusammenzählt: Mamiya 245,0, Pentax 245,0, Zenza Bronica 244,5 Punkte (von 300 möglichen). Noch dichter kann man wirklich nicht beisammenliegen.
Die einzig wirklich nennenswerten noch besseren Ergebnisse zeigten sich bei den drei Rodenstock-Objektiven für die 6x9-cm-Kamera (insgesamt 261,9 Punkte). Die drei Zeiss CF-Objektive für die Hasselblad 6x6 brachten es übrigens auf eine Gesamtsumme von 249,3 Punkten.

Sehr hoch in Kurs stehen derzeit gute gebrauchte zweiäugige Rolleiflex. Hasselblad-6x6-SLR und Rollei-6x6-SLR sind etwa doppelt so teuer wie Mittelformatkameras von Mamiya und Zenza Bronica. Der Preisunterschied bedeutet aber nicht, dass Mamiya und Zenza Bronica schlechter sein müssen. Bezahlt wird bei Rollei und Hasselblad auch der Name und die ehemals deutlich höheren Anschaffungspreise und auch der Umstand, dass Rolleis und Hasselblads immer noch gebaut werden.
Ein unverdientes Nischendasein führt Kowa, weil deren Kameraproduktion bereits 1980 eingestellt wurde.

 

Die auffälligsten Macken betagter Mittelformatkameras!

Bis in die 1980er Jahre hinein neigten die für die Verschlüsse verwendeten Fette nach Jahrzehnten zum verharzen, vor allem wenn die Kameras und Objektive über viele Jahre nicht benutzt wurden. Erst in den 80er Jahren wurden Schmierfette entwickelt, bei denen dieses leidige Problem nicht mehr auftrat.

Bei Kameras der 50er, 60er, 70er und teilweise auch der 80er Jahre muss man also immer damit rechnen, dass vor allem die längeren Zeiten 1/15, 1/8, 1/4, 1/2 und 1 sec zu träge sind (also zu Fehlbelichtungen führen). Doch dieser Zeitenbereich wird in der Regel selten genutzt - man kommt sehr gut ohne ihn aus.

Reparaturen der Verschlüsse können teuer kommen (eine darauf spezialisierte Firma wird wohl mindestens 200 Euro berechnen, prüft bei dieser Gelegenheit natürlich auch die Verschleißteile, wechselt ausgeleierte Federn aus usw.).

Einige private Anbieter weisen beim Verkauf darauf hin, dass ihre Objektive fachgerecht überholt wurden (dokumentieren es mit einer Reparaturrechnung). Solche überholten Objektive sind natürlich wesentlich mehr wert.

Ein anderer Schwachpunkt sind auch die früher verwendeten Schaumstoffe zur Abdichtung der Filmkassetten oder Dämmung des Rückschwingspiegels. Manche dieser Gummis neigen nach Jahrzehnten zum Zerbröseln. Diesen Fehler kann man meist aber selbst mit ein wenig Geschick beheben.

Eine begrenzte Haltbarkeit haben die Rückschwingspiegel (man munkelt von einer Höchstbelastbarkeit von 50.000 Auslösungen). Diese hohe Auslastung wurde in der Regel höchstens von einigen Profis erreicht (bei meinen Kameras gab es noch nie Probleme damit).

Ich habe Erfahrungen mit 3 zweiäugigen Rolleiflex, 3 Kowa-Six bzw. Kowa-Super-Gehäusen mit mehreren Objektiven und einigen Zenza-Bronica ETR, ETRS oder ETRSi-4,5x6-Kameras.

Es traten bisher folgende Fehler auf:

Bei der zweiäugigen Rolleiflex von 1953 funktionieren nur noch die Zeiten 1/100 und 1/250 - sonst gibt es an der Kamera keine relevanten Fehler (wobei aber zu bedenken ist, dass vor 50 oder 60 Jahren die Mattscheiben noch relativ dunkel waren).

Bei zwei meiner Kowa-Gehäuse gibt es noch keine Schäden, bei einem gebraucht gekauften Gehäuse Baujahr 1968 hakt ein wenig der Lichtschacht (Kowa hat den einige Jahre später durch eine bessere Konstruktion ersetzt). Bei meinen 7 Kowa-Objektiven sind die Zeiten im Bereich 1/8 bis 1 sec. ein wenig zu träge (1/15 bis 1/500 funktionieren aber einwandfrei).

Meine Zenza Bronica ETR, ETRS, ETRSI: alle Gehäuse arbeiten einwandfrei. Lediglich ein 40 Jahre altes ETR-Magazin hat einen leichten Lichteinfall, Schwachpunkt der Bronicas ist die Einstellscheibe, die zwar schön hell ist, aber auch kratzempfindlich (manche Vorbesitzer haben sie unsachgemäß gereinigt). Bei einem meiner 9 Objektive lässt sich die Zeit etwas schwergängig einstellen. Die Zeiten arbeiten bei allen meinen Zenzanon-Objektiven einwandfrei (elektronisch gesteuerter Zentralverschluss).

 

4. Kriterium: Was wollen Sie fotografieren?

Wozu brauchen Sie die Kamera hauptsächlich? Wollen Sie überwiegend Landschaften fotografieren oder im Studio arbeiten, so können auch größere Kameras eingesetzt werden. Wer sich hauptsächlich für die Architektur interessiert, der sollte vielleicht zunächst nach einem Shift-Objektiv Ausschau halten (das recht selten angeboten wird und das es nicht für alle Kameramodelle gab).

Für Aktionfotos, Schnappschüsse usw. eignen sich die kleineren und handlicheren 4,5x 6 cm Kameras am besten. 4,5x6 und 6x6 sind grundsätzlich sehr universell einsetzbar, vor allem, wenn man ein wenig aufs Gewicht achtet (die zweiäugigen Mamiyas, die Rollei SL66 und auch die älteren Zenza Bronicas SA2 und EC sind da schon etwas unhandlicher).

 

5. Kriterium: Brauche ich Wechselmagazine?
Nicht alle Mittelformatsysteme verfügen über Wechselmagazine. Aber da heute eh kaum noch Probe-Polaroidfotos angefertigt werden, haben Wechselmagazine auch nicht mehr die Bedeutung wie früher. Notfalls kauft man sich halt ein zweites Gehäuse.

 

6. Kriterium: Zentralverschluss oder Schlitzverschluss?
Wenn Sie viel mit Blitzlicht arbeiten, wäre der Zentralverschluss vorzuziehen, weil er auch bei Blitzlicht kurze Zeiten ermöglicht. Ansonsten ist dieses Kriterium zweitrangig. In der Herstellung waren die Zentralverschluss-Objektive grundsätzlich teurer, weil der Verschluss in jedes Objektiv eingebaut werden musste.
Damit sinkt aber auch das Risiko - sollte ein Objektiv seinen Geist aufgeben, kann mit einem anderen Objektiv weitergearbeitet werden - es streikt nicht die ganze Kamera.
Mechanische Zentralverschlussobjektive bieten zwei Vorteile: Sie kommen ohne Batterien aus und der Verschluss kann auch dann noch von Fremdwerkstätten repariert werden, wenn es den Hersteller längst nicht mehr gibt.

 

7. Kriterium: Mit welchem Suchersystem möchten Sie arbeiten?
Der aufklappbare Faltlichtschacht ist für mich eine Offenbarung, weil man hier das Motiv am besten kontrollieren kann und dass Bild durch die ausschwenkbare Einstelllupe so wunderbar vergrößert wird. Nachteil: das Mattscheibenbild ist zwar aufrechtstehend, aber seitenverkehrt - doch daran gewöhnt man sich. Ein ähnliches Bilderlebnis liefert der starre Lichtschacht, der oft noch mit einem hochwertigen Belichtungsmesser ausgerüstet ist.
Das Problem: Der Lichtschacht ist ideal für das quadratische 6x6-Format - beim Rechteck lässt es sich nur bequem für Querformate einsetzen. Fürs Hochformat muss die Kamera um 90 Grad gedreht werden und dann wird die Bildkontrolle doch etwas schwierig (manche 6x7-Kameras lösten dieses Problem durch eine drehbare Filmkassette).

Bei den Kameras mit rechteckigem Format (4,5x6 und Pentax 6x7) kommt deshalb meistens ein Prismensucher zum Einsatz, wie wir ihn von der normalen Kleinbildkamera gewohnt sind. Der Prismensucher liefert ein seitenrichtiges Bild, was ihn besonders für Aktion- und Sportfotos prädestiniert.
Der Clou: Die namhaften Hersteller boten auch Prismenaufsätze mit Belichtungsmesssystem und abschaltbarer Belichtungsautomatik. Nachteil des Prismas: Gut 200 g mehr Gewicht und eine erschwerte Scharfstellung, da das Sucherbild anders als beim Lichtschacht nicht vergrößert wird.

Das optimale Lösung bieten meines Erachtens 6x6-Kameras mit eingebauter und abschaltbarer Belichtungsautomatik (Rolleiflex SLX, 6002/3/6/8, Zenza Bronica EC-TL und die Hasselblad 201, 202, 203, 205. Da lässt sich dann Lichtschacht und Automatik gleichzeitig nutzen.

 

Zukunftsperspektiven ...
Wie wird sich die Mittelformat-Fotografie in den nächsten Jahrzehnten entwickeln?

Ich denke, dass der Schwerpunkt der Mittelformat-Kameras sich mehr und mehr in den Schwarzweißbereich verlagert, während Farbnegativ- und auch Farbumkehrfilme an Bedeutung verlieren werden.
Ich gehe daher davon aus, dass es auch in 50 Jahren noch ein breites Angebot an Schwarzweiß-Negativfilmen geben wird (und sogar neu konstruierte analoge Mittelformatkameras). Schwarzweißfilme und Schwarzweiß-Fotopapier erfreuen sich schon seit Jahren in vielen Ländern wieder einer steigenden Beliebtheit. Die analoge Schwarzweißfotografie hat sich als eigenständige Kunstrichtung längst etabliert (Slogan: "Klassisches Analogfoto - Originalabzug vom Künstler").

Weniger sicher scheint, ob es in ferner Zukunft auch noch die Batterien und Akkus für die alten Analog-Kameras mit elektronischem Verschluss geben wird. Es wäre also ratsam, beim Kauf einer solchen Kamera auch an die Energieversorgung zu denken und sich beizeiten ein oder zwei Lithium-Batterien zurückzulegen (so dass man zumindest für die nächsten 10-15 Jahre über die Runden kommt).

Bei den Kameras mit mechanischen Verschlüssen (zweiäugige Rolleiflex, Hasselblad 501/503, Kowa Six usw.) besteht diese Sorge nicht. Batterien für die eventuell vorhandene CDS-Belichtungsmessung sind weniger bedeutsam, da es schließlich auch externe Belichtungsmesser zu kaufen gibt und bei belichtungstoleranten Schwarzweißfilmen man sich notfalls sogar mit Tabellen behelfen kann (wie sie zum Beispiel auf der Rückseite alter zweiäugiger Rolleiflex-Kameras angebracht wurden).

 

Viel Glück beim Suchen!
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen kurzen Ausführungen eine kleine Entscheidungshilfe geben. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt - eine Gewähr für dessen Richtigkeit kann ich aber nicht übernehmen. Sollten Sie einen sachlichen Fehler entdecken, wäre es sehr freundlich, dies mir mitzuteilen unter m.mueller@iworld.de.

 

PS: Nachtrag, Februar 2012: Neue analoge Mittelformatkameras gibt es von DHW, nämlich die Rolleiflex Hy6 (Gehäusepreis ca. 6000 Euro) und die Rolleiflex 6008 AF (Gehäusepreis ca. 2000 Euro). Für diese beiden Kameras gibt es auch Digital-Rückteile. Ferner baut DHW noch die drei Klassiker der zweiäugigen Rolleiflex mit Normalobjektiv, Tele oder Weitwinkel (Komplettpreis jeweils zwischen 4200 und 4800 Euro). Hasselblad liefert neben seinen neuen (sündhaft teuren) Digital-Mittelformatkameras noch den analogen Klassiker 503 CW (Gehäusepreis ca. 3400 Euro). Mamiya bietet noch die analoge 645AFD (Gehäuse ca. 4600 Euro) und die RZ67 Pro IID (Gehäuse ca. 2300 Euro) und die Mamiya 7II Sucherkamera (Gehäuse ca. 2300 Euro) und Voigtländer steuert ebenfalls zwei (neu entwickelte) Mittelformat-Sucherkameras bei (2000-2500 Euro mit Objektiv).

 

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Hinweis für junge Leute, die Analogkameras nur noch vom Hörensagen kennen:

Die Vollautomatiken in den heutigen Fotohandys und Digitalkameras sind das Ergebnis einer seit den 1950er Jahren andauernden Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Mit einer automatischen Scharfstellung wurden die analogen KB-Spiegelreflexkameras erst in den 1980er Jahren ausgerüstet. Die meisten Hersteller der Mittelformatkameras verzichteten auf diese neue Technik (weil sie auch eine Reihe von Nachteilen aufweist).

Auch die Belichtungsautomatiken vervollkommneten sich erst im Laufe von vielen Jahrzehnten. Bei den Mittelformatkameras war es bis in die 1970 Jahre hinein üblich, den Lichtwert mit einem externen Belichtungsmesser oder einem speziellen Sucheraufsatz mit Belichtungsmesser zu ermitteln und die abgelesenen Wert von Hand zu übertragen (Blende und Zeit).

Ende der 1970er Jahren wurden bei einigen Mittelformat-Systemkameras als teures Zubehör erhältliche Prismenaufsucher (ca. 1000 Euro) mit eingebauter Belichtungsautomatik populär.

Seit dieser Zeit gibt es auch einige wenige Mittelformat-Kamerasysteme mit im Kameragehäuse integrierter Belichtungsautomatik (die also auch mit Lichtschacht funktioniert). Zu dieser Spezies gehört die Zenza Bronica ECTL und vor allem natürlich Rolleiflex SLX, 6002, 6003, 6006, 6008.

Denken Sie also beim Kauf einer analogen Mittelformatkamera daran, dass Sie auf den bequemen Digitalkomfort ganz oder teilweise verzichten müssen und evtl. auch einen Hand-Belichtungsmesser brauchen, falls ein Messsystem nicht eingebaut oder kein entsprechender Sucheraufsatz vorhanden ist.

 

Manfred Julius Müller, Flensburg

 

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